Kindheit zwischen zwei Welten
Anita Dittmann wurde am 28. Mai 1927 in Breslau geboren – als Tochter eines deutschen Architekten und einer jüdischen Mutter. Als Hitler 1933 an die Macht kam, änderte sich das Leben der Familie dramatisch. Der Vater zog sich aus Angst vor den politischen Folgen immer mehr zurück und distanzierte sich schließlich ganz von Frau und Kindern – die Ehe zerbrach.
Glaube als Zuflucht
Schon als Kind erlebte Anita offene Feindseligkeit: Nach der Schule wurde sie beschimpft, mit Steinen und Pferdeäpfeln beworfen, als „Juden-Göre beschimpft“ und gezwungen, im Unterricht den Arm zum Hitlergruß zu heben. Doch sie murmelte nur, ohne die Worte „Heil Hitler“ auszusprechen.
Inmitten dieser Härte wurde sie erstmals auf Jesus aufmerksam: Eine Nachbarsfamilie nahm sie in die Kirche mit, deren Glasfenster Szenen aus Jesu Leben zeigten. Tief bewegt fasste sie Vertrauen zu ihm; mit etwa zehn Jahren traf sie die bewusste Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser.

Ein lutherischer Pastor, Ernst Hornig, begleitete die Familie, brachte Bibeln, hielt wöchentliche Bibelstunden und stärkte sie im Glauben. Auch Anitas Mutter Hilde bekannte sich dadurch zu Jesus Christus. Die St.-Barbara-Gemeinde in Breslau wurde für sie zu einer Oase der Hoffnung mitten im Druck des NS-Regimes. Hornig bemühte sich zudem, Ausreisepapiere zu beschaffen: Für die ältere Schwester Hella gelang dies 1939 – sie erhielt ein Visum nach England und konnte fliehen. Für Anita und ihre Mutter jedoch scheiterten alle Versuche; anstelle der ersehnten Freiheit erfuhren sie immer stärkere Ausgrenzung und Entrechtung.
Lager, Flucht und Bewahrung

Der Schrecken erreichte seinen Höhepunkt, als Anitas Mutter Anfang 1944 nach Theresienstadt deportiert wurde. Einige Monate später wurde auch Anita verhaftet und als 17-Jährige in ein Arbeitslager nach Barthold bei Groß Schönebeck gebracht. Dort lebte sie mit anderen Frauen in einem ehemaligen Kuhstall – geprägt von Hunger, Kälte und harter Zwangsarbeit. Heimlich stärkten sie sich gegenseitig mit Bibelworten und hielten an der Hoffnung fest, dass Gott alles zum Guten wenden könne.
Als sich Anitas Bein nach einer Verletzung gefährlich entzündete, betete sie um Gottes Hilfe – und erlebte Heilung, die sie als ein Wunder deutete.
Gegen Kriegsende gelang ihr mit einigen Mitgefangenen die Flucht. Am Bahnhof trafen sie auf deutsche Soldaten. Anita erklärte ihnen, sie seien lediglich auf der Flucht vor den Russen. Zu ihrer Überraschung durften die Frauen sogar in einen Zug voller Wehrmachtssoldaten einsteigen und unbehelligt weiterfahren. Wenige Tage später war der Krieg vorbei.
Trotz Erschöpfung fasste Anita einen mutigen Entschluss: Sie wollte ihre Mutter wiederfinden. Allein machte sie sich auf den Weg nach Theresienstadt, quer durch das zerstörte Land, vorbei an Kontrollposten und Truppenbewegungen. Kurz nach der Befreiung des Lagers erreichte sie ihr Ziel – und erlebte das größte Wunder: Ihre Mutter lebte. Die beiden fielen sich in die Arme und erkannten darin Gottes Bewahrung.

Neuanfang und Vermächtnis
Nach dem Krieg lebten Anita und ihre Mutter in einem Lager für Displaced Persons (DP-Lager; Lager für entwurzelte Kriegsüberlebende), bevor sie 1946 in die USA auswanderten. Dort wurde sie wieder mit ihrer Schwester Hella, die den Krieg in England überlebt hatte, vereint – ein starkes Zeichen für das, was sie als Antwort auf Gebete empfand.
In den USA begann ein neues Leben: Anita heiratete Fred Rowden, mit dem sie eine Familie gründete. Bis ins hohe Alter berichtete sie in zahllosen Gemeinden, dass sie ohne Jesus nicht überlebt hätte.
Ihre Lebensgeschichte erschien erstmals 1974 in den USA unter dem Titel Trapped in Hitler’s Hell. 2018 wurde sie auch in deutscher Sprache veröffentlicht – unter dem Titel Geborgen im Schatten deiner Flügel. Darin schildert sie eindrücklich, wie der Glaube an Christus sie inmitten von Angst, Hunger und Verfolgung getragen hat – und wie Gott mitten in der Finsternis Licht schenkt.
Anita Rowden (geb. Dittmann) starb am 13. Oktober 2020 im Alter von 93 Jahren in Minnesota, USA.
Ihre Geschichte ist mehr als ein historischer Rückblick – sie ist eine Einladung, Gott auch in unseren eigenen Dunkelheiten zu vertrauen. Ihre Erlebnisse zeigen, dass Hoffnung nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus fließt. Inmitten von Angst, Hunger und Verfolgung hielt sie an dem fest, was sie als Kind erkannt hatte: Jesus verlässt mich nicht. Diese Gewissheit trug sie durch Hitlers Hölle – und sie kann auch heute noch jedem von uns Halt geben, der sich ihm anvertraut.
Hier könnt ihr ein Video mit Anita Dittmann bei 700 Club auf Youtube angucken. Bitte beachtet die Datenschutzbestimmungen von Youtube.
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Quellen
Star Tribune | Albert Lea Tribune | C-I Courier | Hugendubel | Livenet.ch
Hinweis:
In einzelnen Details unterscheiden sich die Darstellungen der verschiedenen Quellen leicht. Für diese Zusammenfassung wurden die Versionen gewählt, die den größten gemeinsamen Kern haben und von mehreren Berichten bestätigt werden.
Hinweis zu den Bildern:
Die im Artikel verwendeten Zeichnungen und Portraits wurden mithilfe moderner KI-Technik erstellt. Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung, um die Geschichte lebendig und greifbar zu machen – sie sind keine originalen historischen Aufnahmen.