Im Jahr 2014 brach in Westafrika eine der schlimmsten Ebola-Epidemien aller Zeiten aus. Besonders betroffen war Liberia, wo sich das Virus rasant ausbreitete. Tausende starben. Doch während die Angst wuchs und internationale Helfer das Land verließen, blieben einige – aus Überzeugung und mit festem Glauben.

Dr. Kent Brantly war mit seiner Frau Amber und ihren zwei kleinen Kindern in Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Gemeinsam mit der christlichen Hilfsorganisation Samaritan’s Purse arbeiteten sie am ELWA-Hospital, einer Klinik im Einsatz gegen Ebola. Kent behandelte Patienten unter schwierigsten Bedingungen: kaum Schutzkleidung, keine verlässlichen Medikamente, überforderte Helfer. Es war ein Wettlauf gegen den Tod.

Amber war zu diesem Zeitpunkt mit den Kindern in den USA – eigentlich nur für einen Familienbesuch, ein paar Wochen Auszeit. Als sie dort ankam, erfuhr sie, dass sich die Lage in Liberia verschlimmerte. Dann der Schock: Kent hatte sich mit Ebola infiziert.

Die aggressive Variante des Zaire-Ebolavirus, mit der sich Kent und andere infizierten, war berüchtigt für ihre hohe Sterblichkeit. In der chaotischen Frühphase der Epidemie, in der es kaum Behandlungsmöglichkeiten gab, lag die Sterblichkeitsrate in einigen Gebieten bei bis zu 90 %. Eine Diagnose war in diesen Tagen oft einem Todesurteil gleich. Für Amber und die Kinder war es, als stünde das Leben plötzlich still. Und doch betete sie: „Herr, ich weiß, Du bist größer als diese Krankheit.“


Die Nachricht, die alles veränderte

Auch Nancy Writebol und ihr Mann David waren als Missionare mit SIM vor Ort. Nancy arbeitete  im Desinfektionsteam der Isolierstation. David  unterstützte das Team logistisch. Als Nancy eines Morgens über Schwäche, Kopfschmerzen und Übelkeit klagte, ahnte niemand das Ausmaß. Doch bald kam die niederschmetternde Diagnose: Ebola-positiv.

David war wie gelähmt. Der Gedanke, seine geliebte Frau an diesem heimtückischen Virus zu verlieren, war kaum auszuhalten. Er durfte sie nicht berühren, nicht trösten – sie war isoliert. In einem Interview beschrieb er diese Zeit als „die emotional schlimmsten Tage meines Lebens“.

Nancy selbst kämpfte nicht nur mit hohem Fieber, Durchfall, Erbrechen und Schüttelfrost – sondern auch mit der psychischen Einsamkeit. Sie lag allein in einem Zelt, umgeben von Schutzanzügen, völlig isoliert. Sie schrieb später: „Ich fühlte mich manchmal, als wäre ich schon tot.“ Doch sie klammerte sich an ihren Glauben. Immer wieder sprach sie leise Bibelverse – es waren ihre einzigen Begleiter.


Die Rettung kam – aber auf Umwegen

Nach der Diagnose lief alles wie in einem Albtraum. Kent Brantly lag im ELWA-Isolationszelt – hohes Fieber, Schmerzen, völlige Erschöpfung. In einem Moment äußerster Schwäche, so berichtete er später, kniete er nieder und übergab sein Leben erneut Jesus, bereit, zu sterben – aber auch im Vertrauen, dass Gottes Wille gut ist.

Nancy ging es kaum besser. Sie konnte kaum mehr trinken, verlor an Gewicht, war kraftlos. David konnte sie nur aus der Ferne sehen – und betete. Tag und Nacht. Doch Gott bewegte Herzen auf der ganzen Welt.

Dank eines medizinischen Notfallteams gelang es, für beide ein experimentelles Medikament aufzutreiben: ZMapp, das zuvor nur an Tieren getestet worden war. Gemeinsam mit einem Spezialflugzeug und hochrangiger politischer Unterstützung wurde die Evakuierung in die USA vorbereitet – eine weltweite Premiere unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Kent wurde zuerst ausgeflogen und in der Emory University Hospital Isolation Unit in Atlanta, Georgia aufgenommen. Nancy folgte wenige Tage später. Die Bilder von Kent im weißen Schutzanzug auf dem Rollfeld gingen um die Welt. Millionen Menschen beteten.


Die Wende – gegen alle Wahrscheinlichkeiten

Entgegen jeder medizinischen Prognose stabilisierte sich Kents Zustand langsam. Auch Nancy begann sich zu erholen. Die Dankbarkeit war überwältigend. In einer Pressekonferenz sagte Kent später sinngemäß, er sei nur durch Gottes Gnade noch am Leben. Er habe keinen Anspruch auf Heilung gehabt – und doch habe Gott ihn gerettet.

Amber, die in den USA ausharrte, empfing ihn schließlich unter Tränen. Sie hatte geglaubt – und Gott hatte geantwortet.

Auch Nancy, sichtlich geschwächt, konnte nach Hause zurückkehren. Sie erinnerte sich: „Ich dachte oft, ich sterbe – aber Gott hat mich getragen. Ich habe Seine Nähe nie so tief gespürt wie in dieser Einsamkeit.“


Zurück in den Dienst – mit Narben, aber auch mit Feuer

Nach ihrer Genesung zogen sich Kent und Amber nicht zurück. Im Gegenteil: Sie nutzten ihre Erfahrung, um das Bewusstsein für Epidemien, globale medizinische Nöte und Glauben in Krisen zu stärken.

Kent arbeitete zunächst in Texas, unter anderem mit World Medical Mission (dem medizinischen Arm von Samaritan’s Purse), und schrieb mit Amber das Buch Called for Life. Später gingen sie wieder nach Afrika – diesmal nach Sambia, wo Kent als medizinischer Leiter einer Klinik arbeitete und Ärzte ausbildete.

Auch Nancy und David Writebol kehrten zurück nach Liberia – in dasselbe Land, in dem sie beinahe gestorben wäre. Ihre Begründung: „Weil Gott uns dort gerufen hat. Und weil wir wissen: Er ist auch dort – inmitten von Leid.“

Dr. Kent Brantly, der erste Amerikaner, der sich während der Ebola-Epidemie 2014 infizierte, wird nach seiner Genesung von Präsident Obama im Oval Office empfangen.

The White House from Washington, DC, Public domain, via Wikimedia Commons


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Hinweis zu den Bildern: 
Die meisten im Artikel verwendeten Zeichnungen und Portraits wurden mithilfe moderner KI-Technik erstellt. Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung, um die Geschichte lebendig und greifbar zu machen – sie sind keine originalen historischen Aufnahmen.