Im Herbst 2004 wurde die damals 15-jährige Jeanna Giese aus Fond du Lac, Wisconsin, von einer Fledermaus in den Finger gebissen. Es geschah nach einem Gottesdienst: Jeanna entdeckte das verletzte Tier in ihrer Kirche, nahm es in die Hand, um zu helfen – und wurde dabei am linken Zeigefinger gebissen.
Doch der Biss schien nur ein kleiner Kratzer zu sein. Jeanna erzählte niemandem davon – auch ihre Eltern wussten nichts. Sie machte sich keine Sorgen, spülte den Finger kurz ab und dachte nicht weiter darüber nach.
Tage später: Die ersten Symptome
Etwa einen Monat später bekam Jeanna grippeähnliche Symptome. Zunächst schien es nur eine harmlose Erkältung zu sein – bis sich ihr Zustand rapide verschlechterte: Sie wurde verwirrt, konnte nicht mehr sprechen und hatte Koordinationsprobleme. Im Krankenhaus wurde schnell klar: Es war Tollwut – eine Diagnose, die normalerweise einem Todesurteil gleichkommt.
Tollwut – eine fast immer tödliche Krankheit
Tollwut verläuft bei fast allen Menschen tödlich, sobald Symptome auftreten. Ohne vorherige Impfung gibt es praktisch keine Überlebenschance. Die Ärzte wussten: Noch nie hatte ein Mensch ohne Impfung und mit Symptomen überlebt. Alles sprach gegen Jeanna.
Der „Milwaukee-Protokoll“-Versuch
Der behandelnde Arzt, Dr. Rodney Willoughby, entschied sich für einen völlig neuen Ansatz: Er versetzte Jeanna in ein künstliches Koma und verabreichte ihr Medikamente, die ihr Gehirn schützen und dem Körper Zeit geben sollten, eine eigene Immunreaktion zu entwickeln. Dieses riskante Verfahren wurde später als das „Milwaukee-Protokoll“ bekannt – und war bis dahin noch nie ausprobiert worden.
Ein Wettlauf gegen den Tod – und gegen alle Wahrscheinlichkeit
Wo medizinisch alles hoffnungslos erschien, begann ein Kampf ums Leben – getragen von intensiven Gebeten ihrer Familie, Freunde und der Kirchengemeinde. Während Jeanna im künstlichen Koma lag, beteten unzählige Menschen für sie. Ärzte und Pfleger spürten, dass in diesem Fall etwas Besonderes geschah.
Nach über einer Woche im Koma und vielen kritischen Tagen kam Jeanna wieder zu Bewusstsein – geschwächt, aber am Leben. Schritt für Schritt lernte sie wieder zu sprechen, zu laufen und zu essen.
Jeanna überlebt – und geht ihren Weg
Jeanna wurde weltweit bekannt – als erste dokumentierte Tollwutüberlebende ohne Impfung. Ihre Geschichte gilt als medizinisches Wunder. Aber sie selbst sieht hinter ihrer Heilung mehr als nur ein Experiment. Ihre Familie und sie sprechen offen davon, dass Gott sie bewahrt hat.
Sie sagte einmal:
„Ich weiß, dass Gott einen Plan mit meinem Leben hat. Und ich möchte ihn leben.“
Nach ihrer Genesung studierte sie Biologie und wurde später aktiv im Kampf für die Aufklärung über Tollwut. Auch ihren Glauben an Jesus hat sie nie verborgen – sie sieht ihre Geschichte als Zeugnis für Gottes Kraft und Eingreifen.
Heute ist Jeanna verheiratet und Mutter von drei Kindern. Dass sie selbst eine Familie gründen durfte, empfindet sie als ein weiteres großes Geschenk. Ihr Leben, das fast ausgelöscht worden wäre, blüht in vollen Zügen – ein lebendiges Zeugnis für Hoffnung, Heilung und Gnade.
Was geschah danach? Das Milwaukee-Protokoll und seine Nachwirkungen
Nach Jeannas wundersamer Genesung war die Hoffnung groß: Könnte das sogenannte Milwaukee-Protokoll künftig vielen Menschen das Leben retten?
Weltweit wurde der Fall aufgegriffen, Ärzte diskutierten, Medien berichteten – und bald darauf wurden weitere Patienten mit dem gleichen Verfahren behandelt. Doch die Ergebnisse waren ernüchternd:
Nur sehr wenige überlebten.
Trotz identischer oder modifizierter Anwendung des Protokolls konnten die meisten Menschen nicht gerettet werden. Einige überlebten, aber nur in Ausnahmefällen – oft, weil sie sehr früh behandelt wurden oder teilweise immunisiert waren. Viele Ärzte kamen schließlich zu dem Schluss, dass das Protokoll kein allgemein wirksames Heilmittel ist.
Was bedeutet das?
Dass Jeanna Giese überlebte, bleibt einzigartig. Auch ihr behandelnder Arzt Dr. Willoughby sagte rückblickend, dass ihr Fall eine extreme Ausnahme sei – medizinisch kaum erklärbar.
Er selbst sprach später offen davon, dass ein Wunder geschehen sei – wissenschaftlich nicht reproduzierbar.
Jeannas Überleben: Ein medizinisches Phänomen – und ein geistliches Zeugnis
Auch wenn das Milwaukee-Protokoll keinen dauerhaften Durchbruch brachte, hat Jeannas Geschichte weltweit Herzen bewegt. Ihr Überleben ist bis heute ein mahnendes und zugleich hoffnungsvolles Zeichen:
Medizin kann vieles – aber manches liegt allein in Gottes Hand.
