1. Herkunft und Berufung: Von der Dienstmagd zur Missionarin

Gladys Aylward wurde 1902 in London geboren, in einfache Verhältnisse hinein. Sie arbeitete viele Jahre als Hausmädchen und Kindermädchen, hatte keine besondere Schulbildung, kein Geld – aber ein brennendes Herz für Gott.
Als sie über das Schicksal der Menschen in China las, wurde sie tief bewegt. Sie fühlte sich berufen, das Evangelium dorthin zu bringen – ein Gedanke, der für eine alleinstehende Frau aus einfachen Verhältnissen völlig undenkbar war. Doch in ihrem Herzen war sie entschlossen:

„Wenn Gott mich ruft, dann wird er auch einen Weg bahnen.“


2. Ablehnung durch die China-Inland-Mission – und der Entschluss, trotzdem zu gehen

Mit großer Hoffnung bewarb sich Gladys bei der bekannten China Inland Mission – doch sie fiel durch die Aufnahmeprüfung, besonders wegen der chinesischen Sprache. Die Missionsleitung lehnte sie als ungeeignet ab.
Doch Gladys ließ sich nicht entmutigen. Sie arbeitete weiterhin als Hausmädchen, sparte jeden Penny und beschloss schließlich, auf eigene Faust nach China zu reisen – ohne Missionsgesellschaft, ohne Sprachkenntnisse, ohne Sicherheit.
Im Jahr 1930 bestieg sie alleine einen Zug Richtung China, durch die Sowjetunion – eine Route, die voller Gefahren war.
Diese Reise war riskant und beschwerlich – aber sie kam an.

„Ich bin nicht berufen, erfolgreich zu sein. Ich bin berufen, gehorsam zu sein.“


3. Die Herberge mit Missionarin Lawson – Evangelium in Geschichtenform

In China angekommen, wurde sie von der älteren Missionarin Jeannie Lawson aufgenommen, die eine Herberge für Reisende führte. Gladys schloss sich ihr an – gemeinsam bewirteten sie Durchreisende, versorgten sie mit Essen und erzählten ihnen vom lebendigen Gott.
Die Gäste kamen wegen Schlafplatz und Suppe – und hörten dabei Geschichten aus der Bibel.
Nach dem Tod von Miss Lawson führte Gladys das Werk alleine weiter.
Sie wurde in der Region liebevoll als „Ai-weh-deh“ (die Tugendhafte) bekannt – und gewann das Vertrauen der Menschen.


4. Mutiger Einsatz gegen das Füßebinden

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China war in vielen Regionen noch tief geprägt von Traditionen – eine davon war das grausame Binden der Füße kleiner Mädchen, um sie gesellschaftlich „brauchbar“ zu machen.
Gladys war erschüttert über dieses Leid. In Zusammenarbeit mit der lokalen Regierung wurde sie zur offiziellen Inspektorin für Füße ernannt – und reiste von Dorf zu Dorf, um Eltern zu überzeugen, mit dieser Praxis zu brechen.
Dabei predigte sie oft das Evangelium, denn sie glaubte: „Wahre Freiheit beginnt im Herzen.“
Tausende hörten ihre Botschaft – nicht nur über Menschenwürde, sondern über den, der wirklich frei macht: Jesus Christus.


5. Waisenhaus, Krieg – und der berühmte Kinderzug

Als der japanisch-chinesische Krieg ausbrach, wurde Gladys zur Zuflucht für Waisenkinder. Als ihre Stadt bedroht wurde, floh sie mit über 100 Kindern zu Fuß über die Berge – unter Lebensgefahr.
Die Reise war über 400 Kilometer lang, zu Fuß, ohne Transportmittel, mit Hunger und Bombenangriffen. Gladys selbst war körperlich am Ende, verwundet und fiebernd – aber sie betete, kämpfte und führte jedes Kind sicher ans Ziel.
Diese Aktion machte sie später auch im Westen bekannt – und wurde zur Vorlage für Filme und Bücher.
Doch sie wollte nie als Heldin gelten – sondern als jemand, der dem Herrn gehorcht hat.


6. Erkrankung, Zusammenbruch und Rückkehr nach England

Die Flucht mit den Kindern, die Kriegsjahre und der jahrelange, unermüdliche Einsatz hatten körperliche und seelische Spuren hinterlassen. Gladys erlitt eine schwere Erkrankung, war unterernährt, erschöpft und traumatisiert.
Schließlich musste sie nach vielen Jahren in China nach England zurückkehren, um sich zu erholen – eine Entscheidung, die ihr das Herz brach.
In Großbritannien wurde sie plötzlich berühmt, doch das gefiel ihr nicht. Sie wollte kein Rampenlicht – sondern China.

„Ich wollte nicht berühmt sein. Ich wollte nur gehorchen.“
Trotz ihres geschwächten Zustands predigte sie weiter, gab Interviews und versuchte, neue Christen für die Mission zu gewinnen.


7. Ein schlichter Lebensstil – keine Karriere, kein Reichtum

Trotz der internationalen Aufmerksamkeit lebte Gladys äußerst bescheiden. Sie nahm kaum Honorare an, wohnte in einfachen Unterkünften und gab, was sie hatte, für andere weiter.
Sie wollte kein Star sein, sondern Dienerin.
Sie blieb verwurzelt im Gebet, in der Bibel und in tiefer Abhängigkeit von Gott.
Viele waren überrascht, wie einfach, freundlich und klar sie war – trotz all dessen, was sie erlebt hatte.


8. Rückkehr nach Asien – doch nie mehr in ihr geliebtes Yangcheng

Obwohl sie gesundheitlich angeschlagen war, kehrte Gladys nach Asien zurück – diesmal nach Taiwan. Der Zugang zum kommunistisch regierten Festland-China war ihr verwehrt.
Sie gründete in Taiwan ein weiteres Waisenhaus, predigte, unterrichtete und betete – mit der gleichen Leidenschaft wie in jungen Jahren.
Doch ihr Herz blieb bei Yangcheng, ihrer ersten Berufungsstätte. Sie sprach oft mit Tränen in den Augen von „ihren“ Kindern, von „ihrer“ Herberge – und betete, dass Gottes Werk dort weitergeht.

„Ich werde nicht zurückgehen – aber Jesus ist geblieben.“


9. Letzte Jahre und Tod

Gladys verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Taiwan, umgeben von einigen ihrer geistlichen Kinder. Auch wenn sie schwächer wurde, blieb sie geistlich stark. Sie betete täglich, erzählte weiter von Jesus – und strahlte eine besondere Ruhe aus.
Sie starb am 3. Januar 1970 im Alter von 67 Jahren.
In einfachen Verhältnissen, ohne großes Aufsehen – so, wie sie gelebt hatte.
Doch ihre Spuren blieben: Hunderte bekehrte Kinder, aufgelöste Traditionen, ermutigte Christen – und eine Welt, die sah, was Gott durch eine scheinbar „ungeeignete“ Frau tun kann.


10. Ingrid Bergman – und eine Bekehrung nach dem Tod

1958 wurde Gladys’ Geschichte unter dem Titel „Die Herberge zur sechsten Glückseligkeit“ mit Ingrid Bergman verfilmt. Gladys war vom Film enttäuscht – vieles wurde verfälscht dargestellt, und sie hatte wenig Einfluss auf das Drehbuch.
Doch Jahre später soll es zu einem tief bewegenden Ereignis gekommen sein: 
Ingrid Bergman soll sich nach Gladys’ Tod zu Jesus Christus bekehrt haben.
Die Darstellung der mutigen Missionarin habe sie nicht losgelassen – und schließlich soll sie das zum Glauben geführt haben.
So wurde das, was Gladys als oberflächlich empfand, doch noch zu einem Werkzeug Gottes.


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Hinweis zu den Bildern: Die meisten im Artikel verwendeten Zeichnungen und Portraits wurden mithilfe moderner KI-Technik erstellt. Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung, um die Geschichte lebendig und greifbar zu machen – sie sind keine originalen historischen Aufnahmen.