
Moody und Sankey, 1875 (Public Domain)
Es war Heiligabend im Jahr 1875. Ira D. Sankey, der gefeierte Sänger bei den Gottesdiensten von D. L. Moody, reiste in der Dämmerung mit einem Raddampfer den Delaware River entlang. Auf dem ruhigen Deck standen ein paar Reisende bei Mondschein und warteten, verloren und vielleicht etwas wehmütig – so fern von Zuhause, ohne Familie, ohne vertraute Gemeinschaft.
Plötzlich erkannte jemand im Kreis der Reisenden:
„Da drüben steht Ira Sankey!“
Ein Raunen ging durch die Gruppe und bald ertönte die Bitte: „Sing uns etwas!“
Sankey, eher zurückhaltend, überlegte kurz wie in einem stillen Gebet: Er hatte ein Weihnachtslied im Sinn – doch sein Herz führte ihn anders. Er begann zu singen:
„Saviour, like a shepherd lead us …
We are Thine, do Thou befriend us,
Be the guardian of our way…“
Die Stille war überwältigend. Die sanfte Melodie trug Worte von Liebe, Schutz und Heimat – hinaus über das Dunkel des Wassers, hinaus in die Herzen der Zuhörer.
Nach der letzten Zeile trat ein rau aussehender Mann vor.
Er fragte: „Haben Sie jemals in der Unionsarmee gedient?“
Sankey antwortete: „Ja, im Frühjahr 1862.“
Der Fremde fuhr fort – mit brüchiger Stimme:
„Ich diente im konföderierten Heer. An einem hellen, mondbeschienenen Abend sah ich Sie auf Wache stehen, ganz im Licht, während ich im Schatten lauerte. Ich richtete mein Gewehr auf Sie und versprach mir, dass Sie diesen Einsatz nicht überleben würden…
Doch dann hörte ich Sie singen. Das Lied war dasselbe, das Sie gerade jetzt gesungen haben. Ich dachte: ‚Lass ihn singen bis zum Ende, dann kann ich ihn später treffen.‘
Aber während Sie sangen, wurden Erinnerungen wach – an meine Kindheit, an meine gläubige Mutter, die mir dieses Lied vorgesungen hatte. Als Sie endeten, konnte ich mein Gewehr nicht mehr heben. Ich wusste: Der Herr, der diesen Mann vor sicherem Tod bewahren konnte, muss über jeden Verstand erhaben sein.“
Der Mann senkte seinen Kopf, Tränen standen in seinen Augen. Er brauchte einen Erlöser. Sakey trat vor, umarmte ihn – beide Männer, Feinde von einst – und gemeinsam fanden sie Heilung für ihre Seele.
Überlieferte Geschichte nach dem Zeugnis von Ira Sankey – frei nacherzählt