James Bowen und Kater Bob – Wie die Freundschaft zu einem Straßenkater ein Leben rettete

Als James Bowen 2007 in einem kleinen Zimmer eines Sozialwohnhauses in London lebte, befand sich sein Leben an einem Tiefpunkt. Diese Unterkunft war für Menschen gedacht, die nach Obdachlosigkeit oder einer Entzugsklinik wieder Fuß fassen wollten – ein sicherer, aber bescheidener Ort, mit winzigen Zimmern, gemeinsamer Küche und etwas Unterstützung im Alltag. Für James war es dennoch ein wichtiger Schritt: Zum ersten Mal seit Langem hatte er wieder eine feste Adresse und einen eigenen Raum, in dem er sich erholen konnte.

Damals kämpfte er noch mit den Folgen einer jahrelangen Drogenabhängigkeit, spielte als Straßenmusiker für Kleingeld und versuchte, sich langsam aus der Obdachlosigkeit zu befreien. Er ahnte nicht, dass eine Begegnung auf dem Flur vor seiner Wohnung sein Leben für immer verändern würde.

Dort saß ein abgemagerter, verfilzter Kater mit einer eitrigen Wunde am Bein. Offensichtlich streunend, ohne Halsband, ohne Zuhause. James brachte es nicht übers Herz, ihn einfach zurückzulassen. Er nahm den Kater mit hinein, fütterte ihn und brachte ihn mithilfe einer Tierarzt-Hilfsorganisation wieder auf die Pfoten. Das wenige Geld, das er hatte, ging für die Behandlung drauf.

Er nannte ihn Bob – inspiriert von einer Figur aus der Serie Twin Peaks. James versuchte, ihn nach der Genesung wieder in die Freiheit zu entlassen. Doch Bob entschied anders: Immer wieder wartete er vor der Tür. Schließlich nahm James ihn endgültig bei sich auf.

Von diesem Tag an waren sie unzertrennlich. Bob folgte James auf Schritt und Tritt – ob zu Straßenmusik-Auftritten in Covent Garden oder beim Verkauf der Obdachlosenzeitung The Big Issue. Passanten blieben stehen, lächelten, machten Fotos. Bob saß gelassen auf James’ Schulter oder neben ihm, trug sogar kleine Schals, die ihm Fans schenkten.

Von Jamesandbobltd – James Bowen, CC BY-SA 3.0, Link

 

Bryan Ledgard, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Doch Bob war mehr als nur ein Publikumsmagnet. Er wurde James’ Anker. „Er ist der Grund, warum ich morgens aufstehe“, sagte James später. Um für Bob zu sorgen, musste er selbst Verantwortung übernehmen – und das gab ihm den Anstoß, endgültig mit den Drogen aufzuhören. Schritt für Schritt fand James zurück ins Leben.

2010 wurde eine Journalistin auf das ungleiche Duo aufmerksam. Aus einem Zeitungsartikel entstand die Idee für ein Buch. Mit Co-Autor Garry Jenkins schrieb James 2012 das Buch „Bob, der Streuner – Die Katze, die mein Leben veränderte“ (A Street Cat Named Bob) – die wahre Geschichte ihrer Freundschaft. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller, in über 26 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Weitere Bücher folgten, ebenso zwei Spielfilme. Im ersten Film spielte Kater Bob sich selbst.

Für Millionen von Menschen wurde Bob ein Symbol für Hoffnung, Treue und die heilende Kraft von Freundschaft – besonders, wenn diese Freundschaft unerwartet kommt.

Am 15. Juni 2020 starb Bob im Alter von etwa 14 Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall. Weltweit trauerten Menschen um den „Street Cat“, und in London wurde ihm ein bronzenes Denkmal gewidmet.

Heute, Jahre nach Bobs Tod, kämpft James erneut mit finanziellen und persönlichen Rückschlägen. Doch eines bleibt ungebrochen: die Dankbarkeit für den Kater, der ihm einst nicht nur ein Zuhause gab, sondern auch eine Zukunft. James beschreibt es so: Bob habe sein Leben gerettet – und ihm gezeigt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und geliebt zu werden.


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