Geboren in eine gläubige Welt
Rose Price, geborene Rose Meller, wurde 1928 in der polnischen Stadt Skarżysko-Kamienna in eine streng orthodox-jüdische Familie hineingeboren. Ihre Kindheit war geprägt von fest verankerten Traditionen, regelmäßigen Gebeten und einem tiefen Glauben an den Gott Israels. Sie wuchs mit der Überzeugung auf, dass die Gebote Gottes der Halt des Lebens seien – getragen von familiärer Geborgenheit und der Struktur ihrer jüdischen Gemeinde.
Doch diese Welt wurde zerstört, als sie gerade zehn Jahre alt war. Mit der deutschen Besetzung Polens begann für Rose und ihre Familie eine Zeit des Grauens. Im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung wurden die jüdischen Bewohner ihres Heimatortes in ein Ghetto gezwungen – darunter auch Rose, ihre Eltern und ihre Geschwister.
Lager, Überleben, körperliche und seelische Narben

Dachau

Dachau
Bald darauf folgte die Deportation. Rose wurde in verschiedene Konzentrationslager verschleppt, darunter Bergen-Belsen und Dachau. Die Bedingungen dort waren unmenschlich. In Dachau erlebte sie Grausamkeiten, die sich tief in Körper und Seele einbrannten. Gefangene wurden gezwungen, bei eisiger Kälte mit bloßen Händen Wurzeln aus dem gefrorenen Boden zu ziehen. Hunger, Krankheit, Schläge und entwürdigende Behandlungen gehörten zum Alltag.
Sie selbst berichtete von einem Moment, in dem Häftlinge sich nackt im Schnee aufstellen mussten, während SS-Wächter lachten – ein Beispiel für die seelische Zerstörung, die viele nicht überlebten. Rose wurde mehrfach schwer misshandelt und entging dem Tod oft nur knapp. Ihr Körper trug die Spuren: In den Jahren nach ihrer Befreiung musste sie sich insgesamt 27 Operationen unterziehen.
Als sie im Mai 1945 befreit wurde, war sie körperlich ausgemergelt – und innerlich voller Wut. Wut auf Gott, Wut auf die Täter, Wut auf das, was ihr und Millionen anderen angetan worden war. Über Jahre hinweg lebte sie mit diesen Gefühlen, auch nachdem sie in die USA emigrierte, heiratete und eine Familie gründete. Sie funktionierte nach außen – doch in ihrem Inneren war vieles zerbrochen geblieben.
Der Wendepunkt: Jesus, der Feind?
Der tiefgreifende Wendepunkt in Roses Leben kam auf unerwartete Weise. Eine ihrer Töchter erklärte eines Tages, sie glaube an Jesus Christus als den jüdischen Messias. Für Rose war das ein Schock. In ihrer Vorstellung war Jesus eng mit dem Holocaust verbunden – ein SS-Wachmann hatte ihr einst höhnisch gesagt, „Jesus bestraft euch Juden“. Diese Lüge hatte sich tief in ihr festgesetzt.
Sie suchte Hilfe und Antworten bei Rabbinern, doch ihre Fragen blieben unbeantwortet. Nach eigener Aussage wurde sie sogar aus ihrer Synagoge ausgeschlossen, als ihre Zweifel bekannt wurden.
Verzweifelt begann sie, heimlich das Neue Testament zu lesen – im Keller ihres Hauses, allein. Besonders das Matthäus-Evangelium sprach sie an. Es zeigte ihr ein völlig anderes Bild: Nicht einen Gott des Hasses, sondern einen leidenden Messias, der mit ihrem Schmerz mitfühlte. Ein jüdischer Mann, der verachtet, verfolgt und getötet wurde – und dennoch vergab.
Ein gläubiger Christ, dem sie sich anvertraute, bot an, für sie zu beten. In diesem Moment, so beschreibt es Rose später selbst, wandte sie sich an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – mit der schlichten, tiefen Bitte: „Wenn Jesus wirklich der Messias ist, dann zeig es mir.“
Sie berichtet, dass sie in diesem Augenblick eine tiefe innere Befreiung erlebte – als würde ein schwerer Stein von ihrem Herzen genommen. Ihre Last wich. Und sie wusste: Jesus war nicht ihr Feind. Er war der Eine, der sie verstanden hatte.
Eine Botschaft der Vergebung
Von diesem Tag an begann ein neuer Abschnitt ihres Lebens. Sie sprach offen über ihren Glauben an Jesus als den jüdischen Messias – und darüber, dass sie vergeben hatte. Gerade diese Kombination stieß bei vielen auf Kritik, besonders unter anderen Holocaust-Überlebenden. Für manche war der Name Jesus untrennbar mit Verfolgung und Schmerz verbunden, für andere war der Gedanke an Vergebung gegenüber den Tätern kaum erträglich. Doch Rose verurteilte niemanden. Sie wusste, wie lang und schmerzhaft der Weg zur Heilung war. Ihre Botschaft war nicht belehrend, sondern geprägt von Mitgefühl – und von einer zentralen Wahrheit: Vergebung befreit.
In zahlreichen Interviews und Vorträgen – etwa beim United States Holocaust Memorial Museum, in Fernsehsendungen wie It’s Supernatural! oder auf Plattformen wie Jewish Testimonies – erzählte sie ihre Geschichte. Nicht, um im Mittelpunkt zu stehen, sondern um Zeugnis zu geben. Für einen Gott, der auch in den Trümmern von Auschwitz, Dachau und Bergen-Belsen nicht aufgehört hatte, Menschen zu lieben.
Rose Price starb 2015 in Florida. Sie hinterließ Kinder, Enkel – und ein Vermächtnis: Ein Leben, das durch die tiefste Finsternis ging – und doch zum Licht fand.
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Quellen:
USHMM (Oral History Interview) | Jewish Testimonies | Sid Roth: It’s Supernatural
Dignity Memorial | A Rose from the Ashes (Autobiografie) | Amazon | BGDailyNews
Hinweis zu den Bildern: Die im Artikel verwendeten Zeichnungen und Portraits wurden mithilfe moderner KI-Technik erstellt. Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung, um die Geschichte lebendig und greifbar zu machen – sie sind keine originalen historischen Aufnahmen.