Ein jüdischer Junge, ein rettender Zug – und ein Wunder für die Ewigkeit

Thomas Herman Graumann wurde am 28. Januar 1931 in Brünn geboren. Seine Eltern – Franz Graumann und Franziska, geb. Hochberg – trennten sich, als Tom erst vier Jahre alt war. Nach der Scheidung heiratete seine Mutter erneut, und Tom zog mit ihr und seinem kleinen Bruder Anton („Tony“, geb. 1934) nach Těšany, ein Dorf bei Brünn. Sein neuer Stiefvater wurde Teil der kleinen Familie – doch das Glück sollte nicht von Dauer sein.

1939 rückte die dunkle Bedrohung des Nationalsozialismus immer näher. In letzter Minute wurde der damals achtjährige Tom mit einem Kindertransport aus Prag gebracht – organisiert durch den britischen Börsenmakler Sir Nicholas Winton, der insgesamt 669 jüdische Kinder rettete (Mehr zu Nicholas Winton und der Kindertransport-Aktion erzählen wir in diesem Beitrag.). Tom war an Bord einer der letzten Kindertransporte, die noch durchkamen.

Mit nichts als einem kleinen Koffer, einem Zettel mit seinem Namen und dem Abschiedskuss seiner Mutter verließ er seine Familie – es war das letzte Mal, dass er sie sah. Seine Mutter Franziska, Bruder Tony und sein Stiefvater wurden 1942 deportiert: Mutter und Bruder starben in Sobibor, sein Stiefvater im KZ Majdanek.

„Ich wurde gerettet – aus einem fahrenden Zug in eine neue Zukunft. Ich wusste nicht, wie viele Züge nicht mehr ankommen würden.“

Tom kam in Schottland bei einer kinderlosen Lehrerin namens Miss Corson unter, die vor dem Krieg in Palästina gearbeitet hatte. Die Umgebung war fremd, die Sprache neu – doch es war der Beginn einer lebensverändernden Reise.


Wie ein geretteter Junge ewiges Leben fand – und selbst zum Lichtträger wurde

In seiner neuen Heimat wurde Tom eingeladen, regelmäßig die Kinderstunden von Missionaren zu besuchen. Besonders eine Predigt des Evangelisten Robert Hudson Pope traf ihn tief ins Herz. Dort, weit weg von allem Vertrauten, hörte Tom das Evangelium von Jesus – dem Retter, der sich selbst für ihn hingegeben hatte.

„Ich hörte das Evangelium – und ich wusste: Es ist wahr.“

Mit nur neun Jahren traf er eine Entscheidung, die sein Leben für immer veränderte: Er vertraute Jesus Christus sein Leben an. Es war seine zweite Rettung – diesmal für die Ewigkeit.


Ein Leben aus Dankbarkeit

Tom absolvierte eine Ausbildung in der Krankenpflege und besuchte eine Bibelschule in Schottland. Seine Berufung führte ihn schließlich als Missionar und medizinischer Helfer auf die Philippinen, wo er in abgelegenen Regionen lebte und arbeitete. Dort verkündigte er das Evangelium, baute Schulen mit auf, leistete praktische medizinische Hilfe und diente vor allem jenen, die am Rand der Gesellschaft standen.

In dieser Zeit lernte er seine spätere Ehefrau Caroline (1929–2020) kennen – ebenfalls Missionarin. Sie heirateten und zogen später in die USA. Doch der gemeinsame Kinderwunsch blieb zunächst unerfüllt: Nach medizinischen Untersuchungen galt das Paar als unfruchtbar.

Ihr Weg zur Familie führte sie zunächst zur Adoption zweier Kinder. In einer für sie überraschenden Wendung wurden sie später noch die leiblichen Eltern von zwei weiteren Kindern – eine Entwicklung, die sie nach den medizinischen Prognosen nicht für möglich gehalten hatten.


Rückkehr & Zeugnis

Nach dem Ende des Kommunismus kehrten Tom und Caroline 1989 in die Tschechoslowakei zurück. Mit unermüdlicher Hingabe berichtete er an Schulen, in Kirchen und Universitäten von seiner Geschichte – in Zusammenarbeit mit Organisationen wie Integrity Life. Seine Vorträge berührten Menschen aller Altersgruppen.

„Ich wurde zweimal gerettet: einmal aus dem Holocaust – und einmal, als ich verstand, was Jesus Christus für mich getan hat.“


 

Letzte Jahre & Vermächtnis

Auch im Ruhestand wollte Tom sein Leben nicht „im Schaukelstuhl verbringen“. Stattdessen unterrichtete er noch bis ins hohe Alter Englisch an Schulen in Tschechien – als Zeichen seiner Dankbarkeit und Lebensfreude.

Seine letzten Jahre verbrachte er überwiegend in den USA, starb jedoch am 27. April 2020 in seiner Geburtsstadt Brünn – dort, wo seine Lebensreise einst begonnen hatte.

Seine Lebensgeschichte erschien 2019 unter dem Titel „Twice Rescued Child“, geschrieben mit der Autorin Tricia Goyer – auf Initiative seines Sohnes Paul, der ihn jahrelang ermutigte, sein Zeugnis öffentlich zu machen.

„Dad, your story needs to be told. It’s not just history — it’s hope.“


Quellen

Post Bellum / Memory of Nations | Tschechische Wikipedia | Soulsaver.de | Gateway News | Prophecy Today UK | Tricia Goyer (Blog) | Twice Rescued Child – Thomas Graumann & Tricia Goyer

Weiterführende Links: 


Hinweis zu den Bildern: 
Die im Artikel verwendeten Zeichnungen und Portraits wurden mithilfe moderner KI-Technik erstellt. Sie dienen ausschließlich der Veranschaulichung, um die Geschichte lebendig und greifbar zu machen – sie sind keine originalen historischen Aufnahmen.